Alkoholabhängigkeit bekämpfen in Salzburg

Mann trinkt aus Glas mit Alkohol

ALKOHOLABHÄNGIG?   Nein, man könnte doch aufhören zu trinken, wenn man wollte!

Diagnostisch unterscheidet man zwischen  dem schädlichem Gebrauch einer Substanz, bzw. einem Abhängigkeitssyndrom

Schädlicher Gebrauch (F10.1 ICD-10-GM-2016):

  • Wiederholtes Trinken führt zu einem Versagen bei der Erfüllung von Aufgaben/Pflichten/der Alltagsroutine (Fernbleiben vom Arbeitsplatz wegen "Blau-Machens", Versäumen von Terminen usw.)
  • Trinken in Situationen, in denen es aufgrund der Wirkung des Alkohols zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann (Alkohol am Steuer, Bedienen von gefährlichen Maschinen).
  • Wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz (Anzeigen wegen Sachbeschädigung, Beleidigung, Führerscheinverlust usw.) aufgrund von Alkoholkonsum oder Schwierigkeiten im sozialen/zwischenmenschlichen Kontakt.
  • Gesundheitliche Schädigungen : physisch: Alkoholvergiftung;psychisch: depressive Symptome                                                                                                                                 Die unter dem Abhängigkeitssyndrom beschriebenen weiteren Symptome entfallen, auch wenn sich manche Probleme der beiden Bereiche überschneiden.

  Abhängigkeitssyndrom (F10.2 ICD-10-GM 2016):

  • Es besteht der extreme Wunsch oder Zwang,  Alkohol zu trinken (graving). Ich habe sehr oft von alkoholabhängigen Menschen den Satz gehört: „Ich bin nicht abhängig, ich könnte jederzeit aufhören zu trinken, wenn ich möchte“.  Erst der Versuch aufzuhören zeigt, wie stark der innere Drang, Alkohol zu trinken ist, und wie schwer es ist, ohne professionelle Hilfe zur Alkoholabstinenz zu gelangen.
  • Kontrollverlust                                                                                                                           Bei Alkoholabhängigkeit geht die Kontrolle darüber, wie viel man trinkt, wann man damit anfängt bzw. aufhört, verloren.
  • Entzugssymptome                                                                                                            Trinkt man einige Zeit nichts, kommt es zu körperlichen Entzugssymptomen (Zittern, Schwitzen, Unruhe, Schlafstörungen, Angstzuständen). Diese können lebensgefährlich sein: epileptische Anfälle, optische und akustische Halluzinationen („weiße Mäuse“) können auftreten. In diesem Stadium wird Alkohol getrunken, damit die Entzugssymptome aufhören. Darüber hinaus kommt es zu vermindertem Appetit mit Gewichtsabnahme, Koordinations- und Bewegungsstörungen.
  • Unmittelbare Wirkung des Alkoholkonsumes:                                                                bei exzessivem Alkoholkonsum kommt es zu Enthemmung, Rededrang, gehobener Stimmung, die in einen Erregungszustand mit hohem Aggressionspotenial  übergehen kann, sodass es zu „Raufhandel im Rauschzustand“, wie vielfach in Polizeiberichten zu lesen ist, kommt. Weiter kann es zur Misshandlung von Familienmitgliedern oder anderen Personen und Sachbeschädigungen kommen, und zu Selbst- und Fremdgefährdung durch Autofahren unter Wirkung der Substanz Alkohol.  Alkoholabhängige haben eine besonders hohe Suizidgefährdung. Nach dem Nachlassen der alkoholischen Wirkung kann die Suizidalität zur Gänze abklingen und die Betroffenen verstehen überhaupt nicht mehr, warum sie sich das Leben nehmen wollten.
  • Mittelfristige gesundheitliche Schädigungen:                                                                z.B. Leberschädigung, Schädigung der kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Konzentration, Auffassung), Herzrhythmusstörungen, Potenzstörungen, Polyneuropathie (Erkrankung des Nervensystems, Körperbereiche können spontan kribbeln,  sind taub oder brennend schmerzhaft).  Es können Missempfindungen wie Hitze- oder Kälte- und Schwellungsgefühle (man fühlt sich wie „im Schraubstock“) auftreten. Das Gehen kann stark beeinträchtigt sein.
  • Alkoholtoleranz:                                                                                                           bedeutet, dass man immer mehr trinken muss, um die Wirkung des Alkohols zu spüren.
  • Soziale Folgen:                                                                                                              bestehen darin, dass die  Lebensfreude sinkt, Familie und Freunde vernachlässigt werden und kein Interesse an früheren Hobbies besteht. Das Äußere wird vernachlässigt, es wird viel Zeit und Geld benötigt, um Alkohol zu besorgen. Es kommt zu Problemen  am Arbeitsplatz (heimliches Trinken, vermehrte Krankenstände, um sich von den Folgen des Konsums zu erholen). Das gesamte Denken kreist um das Thema Alkohol.

Ursachen

  • Biologische/psychologische Faktoren:                                                                      Studien über die Erblichkeit von Alkoholismus beziehen sich in der Regel  auf die angeborenen Unterschiede der Alkoholabbaukapazität der Leber, bzw. auf die Unterschiede der Wirkung des Alkohols auf das Gehirn. Leidet ein Familienmitglied an einer Suchterkrankung, ist dies eine erhebliche psychische Belastung für alle, am meisten jedoch für Kinder, da ein angstfreies, kindgemäßes Aufwachsen nur in eingeschränktem Ausmaß möglich ist. Physische, psychische und sexuelle Gewalt sind die häufigsten Folgen einer unbehandelten Alkoholabhängigkeit. (Manfred V. Singer, Stephan Teyssen: Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten: Grundlagen – Diagnostik – Therapie. Springer, Heidelberg 2005) 
  • Sozio-kulturelle Faktoren:                                                                                                Hier hier geht es um den Umgang einer Gesellschaft mit Alkohol und der damit in Zusammenhang stehenden Häufigkeit des Auftretens von Suchterkrankungen. Es kann sich um religiöse Vorschriften in Bezug auf Alkoholkonsum  handeln, wie z. B. im Islam, oder um gesellschaftliche Gepflogenheiten  (Trinken bei bestimmten Gelegenheiten wie Silvester, Geburtstag usw.) Diese vorgegebene Struktur im Umgang mit Alkohol kann beispielsweise vor unkontrolliertem Konsum schützen.     UND:                                                                                                                             Menschen mit guten „allgemeinen Lebenskompetenzen“ (darunter versteht man effektive Stressbewältigung, Selbstsicherheit, gute Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, Alkohol/Drogen trotz sozialen Drucks ablehnen zu können) haben ein geringes Risiko, eine Suchterkrankung zu entwickeln.

Therapien

Ambulante Verhaltenstherapie:

  • Anfangs geht es darum, dem Patienten über seine Krankheit und deren Auswirkungen auf seinen Körper, seine Psyche und sein Umfeld zu informieren.
  • Im nächsten Schritt muss das Ziel der Behandlung überlegt werden. Naturgemäß ist dies die völlige Alkoholabstinenz. Viele Alkoholkranke können sich dies, insbesondere wenn es sich um junge Menschen handelt, nicht vorstellen. In diesem Fall kann ein Zeitrahmen der Abstinenz vereinbart werden (z. B. ein halbes Jahr). Danach ist die weitere Abstinenz leichter vorstellbar. Beim  „Kontrollierten Trinken“ wird der Konsum hinsichtlich Menge und Häufigkeit des Trinkens reduziert. Das klingt einfach, erfordert jedoch ein ausgeklügeltes System, das genau einzuhalten ist. Diese permanente Selbstkontrolle geht oft über die psychischen Grenzen der Alkoholkranken hinaus, deren massives Problem eben der Verlust der Kontrolle über sich bei Konsum von Alkohol ist. Man darf beispielsweise in gewissen Situationen/Tagen nicht trinken, muss nach jedem alkoholischen Getränk Wasser nachtrinken, darf nicht mehr als z. B. ein Achtel Wein trinken, darf nichts trinken, wenn man sich gestresst/traurig fühlt usw. Da das Trinkverlangen unvermindert da ist, bedeutet es jedesmal einen Kraftakt, dem Drang zu widerstehen und die vereinbarten Regeln einzuhalten. Daher ist es für viele Patienten, so sie nicht aus Frustration ob der Schwierigkeit des Programmes aufgeben und in ihre alten Konsummuster zurückfallen, leichter, völlig alkoholabstinent zu leben.
  • Analyse des Alkoholkonsumes:  wann, wo, wie oft, bei welcher Gelegenheit, in welcher Stimmung, mit wem, usw. trinke ich). Was passiert, wenn ich trinke/nicht trinke? Was erwarte ich von der Wirkung des Alkohols, welche Defizite  möchte ich damit bewältigen, was finde ich gut/schlecht  am Alkoholkonsum? Welche negativen Folgen hatte der Alkoholkonsum bisher für mich?
  • Danach werden Strategien erarbeitet, wie man das Trinken von Alkohol (in der zuvor analysierten Situation) vermeiden kann.                                                                    Z. B. : wenn mir langweilig ist, trinke ich nicht, sondern ich rufe einen Freund an/beschäftige mich im Garten/koche etwas usw. Oder: wenn ich starkes Verlangen nach Alkohol habe, hole ich die Laufschuhe heraus und jogge eine Runde.  Ich weiß, dass  das Verlangen nach Alkohol bei mir erfahrungsgemäß nicht länger als maximal eine halbe Stunde anhält (individuell unterschiedlich). Diese Zeit muss ich überbrücken, dann geht es problemlos weiter.Oder: wie reagiere ich, wenn mir jemand Alkohol anbietet und ein „Nein Danke“ nicht akzeptieren will? Wem erzähle ich, dass ich ein Problem mit Alkohol habe und wann ist es besser, nicht darüber zu reden?

 Stationäre Aufnahme/Entwöhnungstherapie:

  • Menschen mit schwerer Alkoholabhängigkeit benötigen einen ärztlich begleiteten Alkoholentzug mit medikamentöser Behandlung.  Hören die  Betroffene plötzlich mit dem Trinken auf („kalter Entzug“) , kommt  es zu einem Alkoholentzugssyndrom, wobei  lebensbedrohliche Begleiterscheinungen wie Krampfanfälle, Psychosen  oder Delir auftreten können, an denen der Patient schlimmstenfalls versterben kann.  Auch Suizid unter Alkoholentzug kommt immer wieder vor.
  • Nach abgeschlossenem Alkoholentzug kann die Entwöhnungsbehandlung erfolgen. Diese besteht in einem Aufenthalt auf einer rehabilitativen Institution und dauert  zumindest zwei bis drei Monate. Nicht in jeder Lebens-/Arbeitssituation ist es möglich, diese sinnvolle Behandlung, die uns unser Gesundheitssystem bietet, in Anspruch zu nehmen. Die alternative Behandlung ist eine engmaschige ambulante psychotherapeutische Behandlung, am besten bei einer/m erfahrenen PsychotherapeutIn oder in einer Alkoholambulanz. 
  • Medikamentöse Therapie nach erfolgtem Entzug:                                                          Es handelt sich um Medikamente, die neben der psychotherapeutischen und sozialen Unterstützung  zur Aufrechterhaltung der Alkoholabstinenz verabreicht werden. Durch die Wirkung der Medikamente werden bestimmte Hirnareale gedämpft, bezw. es werden im Gehirn Opioid-Rezeptoren besetzt, an die sich Alkohol bindet. Da diese besetzt sind, kann Alkohol dort nicht mehr andocken.Ergebnis: das Bedürfnis, Alkohol zu trinken, sinkt.

Weitere Infos auf:

Alkoholselbsttest, Motivationstest, Wissenstest, Promillerechner, Trinktagebuch auf http://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/


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