Hilfe bei Mobbing in Salzburg

Teenager wird gemobbt

Mobbing - ein Problem, das immer schon gab! Nur der Name ist neu.

Wer gemobbt wird, ist in der Regel nicht selbst daran Schuld. Was kann man dagegen tun? Es kommt selten vor, dass sich Kollegen, die nicht gemobbt werden, für die Gemobbten einsetzen. Auch der Chef ist nicht immer eine Hilfe. Wenn keine Gegenwehr erfolgt, wird Mobbing schlimmer. In der Psychotherapie erlernt man Massnahmen, sich gegen Mobbing zu wehren.

Wie entsteht Mobbing:

Die Motive entspringen unschönen menschlichen Eigenschaften: Neid, Hass, Geltungssucht, Minderwertigkeitsgefühlen, Bosheit. Am fatalsten ist Mobbing in der Arbeitswelt, da hier der Lebensbezug eines Menschen in nachhaltigster Weise beeinträchtigt wird. Wenn Arbeitsplätze rar werden, besser ausgebildete , attraktivere Kollegen mit einem interessanteren sozialen Hintergrund in das Umfeld treten, Aufstiegsmöglichkeiten beschränkt oder gefährdet werden, steigt die Gefahr, Kollegen um des eigenen Vorteils Willen zu schädigen, an. Auch schlechte Arbeitsbedingungen – unqualifiziertes Personal, permanente Arbeitsüberlastung, räumliche Beengtheit, unfähige Führungskräfte, hohe Mitarbeiterfluktuation, Einsparungen – können Ursachen für Mobbing sein.

Die Werkzeuge dieser „Kriegsführung“ sind: Einschüchtern, Isolieren, Lächerlich-machen, Ignorieren, Unterschlagen von wichtigen Informationen, Lesen von emails, Verbreiten von Gerüchten, die auch den privaten Bereich betreffen können und vieles mehr. Wer mobbt, kämpft meist systematisch und mit üblen Methoden. Bei den Gemobbten können psychische Störungen wie Angstzustände, depressive Zustände und vegetative Störungen auftreten, die auch die Freizeit beeinträchtigen. Es hat Fälle gegeben, wo Menschen, die gemobbt wurden, keinen anderen Ausweg als Suizid gesehen haben, tragischerweise auch Jugendliche. Durch die neuen Medien (Internet, Handy usw.) hat sich für Mobbing eine völlig neue, dramatische Dimension ergeben.

Was passiert bei Mobbing:

Leymann (1995) teilte Mobbinghandlungen in 5 Gruppen:

Im Gespräch:

Man hört dem Gemobbten nicht zu, er wird ständig unterbrochen, man schimpft mit ihm, schreit ihn an, kritisiert seine Arbeit, ohne ihm die Möglichkeit einer Rechtfertigung/Erklärung zu geben, droht ihm, blickt ihn abwertend an. Gerüchte und Missverständnisse werden gezielt in Umlauf gesetzt. An einer Konfliktklärung ist man nicht interessiert, das Ziel liegt ja in der Herbsetzung des Betroffenen.

Im Miteinander:

Man lässt sich von dem Gemobbten nicht ansprechen, spricht nicht mehr mit ihm und verbietet anderen, mit ihm zu sprechen. Er wird raummäßig weitab von den Kollegen untergebracht und „wie Luft“ behandelt. Das Ziel ist, ihn vom Team zu isolieren.

In der Arbeitsgestaltung:

Man verweigert dem Gemobbten Arbeitsaufträge oder gibt ihm sinnlose Aufgaben, bzw. solche, die weit unter seiner Qualifikation liegen, um ihn bewusst zu demütigen. Sein Ansehen soll untergraben werden. Naturgemäß hat dies zur Folge, dass der Selbstwert des Gemobbten sinkt. Da für viele Menschen Beruf auch Identität bedeutet, bezieht sich das Gefühl der Beeinträchtigung auf die gesamte Person des Gemobbten. Auch die Manipulation oder Aneignung der Arbeitsergebnisse des Gemobbten, das Aufbauschen von Fehlern, das Erfinden von Beschwerden Dritter, das Abwerten privater Interessen, kann man als Mobbingstrategien bezeichnen.

Angriffe auf das Ansehen:

Man spricht hinter dem Rücken des Gemobbten schlecht über ihn und ist gleichzeitig daran interessiert, dass er dies erfährt. Man verbreitet gezielt Gerüchte, macht ihn lächerlich, verdächtigt ihn, psychisch krank zu sein, oder macht sich über eine Behinderung lustig (imitiert z.B. seinen Gang, seine Sprache). Man greift seine politische oder religiöse Einstellung an, macht sich über sein Privatleben (Ehe, Familie), Nationalität lustig. Man beschimpft ihn, macht ihm obszöne, oder verbale sexuelle Angebote.

Angriffe auf die Gesundheit:

Man zwingt den Gemobbten zu gesundheitsschädlicher Arbeit, droht ihm mit körperlicher Gewalt oder übt körperliche Gewalt aus, beispielsweise um ihm einen "Denkzettel" zu verpassen. Man versucht ihm zu schaden, indem man seine Arbeitsmaterialien versteckt, oder beschädigt. Man versucht, ihn durch sexuelle Angriffe und Drohgebärden einzuschüchtern. Natürlich gibt es auch subtilere Vorgehensweisen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede:

Grundsätzlich sind Frauen häufiger von Mobbing betroffen als Männer. Dies bestätigen mehrere Studien (Dublin 2005, Meschkutat/Stackelbeck/Langenhoff 2002). Auch der Ausschuss des Europäischen Parlamens für die Rechte der Frau und Chancengleichheit (FEMM), bestätigt in einer Stellungnahme zu Mobbing am Arbeitsplatz vom 16.7.2001 diese Ergebnisse (A5-0283/2001). Als Ursachen dafür sind u. a. auch gesellschaftspolitische Aspekte, weiters die Eigenwahrnehmung/-bewertung von Frauen zu sehen. Frauen werden zudem auf andere Art belästigt als Männer. Geschlechterstereotype und sexistische Herabsetzungen treten häufiger auf. Typische Verhaltensweisen dafür sind: Erzählen anzüglicher Witze, anzügliche Komplimente, (scheinbar zufälliges) Berühren, Zeigen pornographischer Inhalte u.v.m.

Gibt es das typische „Mobbingopfer“?

Diese Überlegung, die man in unseriösen Veröffentlichungen immer wieder lesen kann, führt bei dem Gemobbten dazu, dass er glaubt, selbst Schuld zu haben, wenn er gemobbt wird. Das stimmt fast nie und ist eine neuerliche Herabsetzung des Gemobbten.

Auf EU-Ebene veranlasste Untersuchungen (Vierte europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen, Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, DUBLIN, 2008, 35 ff) gehen davon aus, dass in Österreich im Durchschnitt ca 5% der Beschäftigten in den letzten zwölf Monaten von Mobbing betroffen waren. Meiner klinischen Erfahrung nach sind es weit mehr. Von Mobbing betroffen sind meist Menschen, die sich in irgendeiner Weise vom Gros der jeweiligen Gruppe (z.B. Team) unterscheiden. Insofern handelt es sich um einen gruppendynamischen Prozess, von dem keine kategorische Einteilung abgeleitet werden kann. Der Unterschied kann schlicht darin liegen, dass jemand:

neu zur Gruppe gestoßen ist, krank ist, pünktlich/unpünktlich ist, modisch/altmodisch ist, groß, klein, dick oder dünn ist, Raucher oder Nichtraucher ist, alt/jung ist, eine andere Hautfarbe oder Religion hat oder eine Behinderung aufweist. Es handelt sich somit um völlig unspezifische Eigenschaften, die in einer anderen sozialen Umgebung ganz unauffällig, eventuell sogar erwünscht wären.

Fortgesetztes Mobbing kann im Verhalten des Betroffenen zu einer schwerwiegenden psychischen Veränderung führen. Der Betroffene wird misstrauisch, ängstlich, zwanghaft, schreckhaft, wobei dies aber nicht die Ursache für Mobbing, sondern die Folge davon ist. Die vegetativen Erscheinungen wie Zittern, Herzrasen, Mundtrockenheit, Beengungsgefühle, Übelkeit/Erbrechen und Angst sind sehr unangenehm.

Ursachen von Mobbing:

Mobbing kann durch bestimmte Rahmenbedingungen begünstigt werden, z.B. durch mangelhaftes Führungsverhalten (dies ist einer der Hauptgründe), unklare Zuständigkeiten, hohen Zeitdruck, personelle Unterbesetzungen, mangelhafte Informationen, Konjunkturprobleme, schlechte Ausstattung der Arbeitsplätze, Wechsel von Vorgesetzten. Bei einer Unternehmensgröße von mehr als 125 MitarbeiterInnen tritt Mobbing häufiger auf- (ebenso DUBLIN 2008)(A5-0283/2001).

Gegenmaßnahmen bei Mobbing:

Prinzipiell ist Gegen-Mobbing ein untaugliches Mittel. Es gibt wirksame legale Antworten auf Mobbing. Dazu sollte man zunächst Beweise sichern, indem man notiert (Datum/Uhrzeit/Personen), was passiert ist. Man kann damit den Chef der Gruppe konfrontieren, und ihn an seine gesetzlich festgelegte Fürsorgepflicht erinnern. Gesetzlich ist der Arbeitgeber (Chef) dem Arbeitnehmer (also dem Gemobbten) gegenüber verpflichtet, Abhilfe- und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dies ist im Persönlichkeitsrecht verankert (Fürsorgepflicht §1157 Abs. 1 ABGB, §18 AngGua). Der Arbeitgeber muss Arbeitsbedingungen so gestalten, dass das Leben und die Gesundheit, zu der im weiteren Sinn auch die psychische Befindlichkeit gehört, geschützt sind.

Es kommt jedoch immer wieder vor, dass sich Arbeitgeber für diese Probleme nicht interessieren. Darum kommt man nicht umhin, selbst Strategien zu entwickeln, um den Mobbern etwas entgegenzusetzen. Diese Strategien kann man mit Hilfe der/des Psychotherapeuten nach Analyse der Situation erarbeiten, in konkreten Übungen erlernen und danach erfolgreich in der realen Arbeitswelt einsetzen.


top