Mag. Dr. Angela Blechinger hilft bei Zwangserkrankungen in Salzburg

Postit am Herd

Prinzipiell unterscheidet man zwischen:

Zwangsgedanken: sie treten ungewollt auf, sind quälend, oft gewalttätigen oder obszönen Inhalts und werden als abstoßend oder auch als  sinnlos erlebt.

Zwangshandlungen sind Rituale, die nicht nützlich, aber sehr unangenehm sind. Meist wollen die Betroffenen damit ein vermeintliches Unheil verhindern (wenn das Ritual unterlassen wird, könnte ein Unglück passieren), wobei sie gleichzeitig ihr Handeln als unsinnig erleben, aber eben zwanghaft durchführen müssen. Begleitet wird die Zwangshandlung von Angst und Anspannung. Der Krankheitsbeginn liegt meist in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter Es kann lange symptomfreie Intervalle geben.

Die häufigsten Zwangshandlungen sind:

Waschzwang: Hände/Füße werden in extremen Fällen zwischen 20 und 50 Mal am Tag gewaschen (z. B. nach jeder gerauchten Zigarette, jedem Anfassen eines Gegenstandes usw.) oder der ganze Körper wird geduscht. Die Folgen können Hauterkrankungen (ausgetrocknete Haut, Rötungen, Ekzeme) sein.

Putzwang: in schweren Fällen dürfen keine fremden Personen die Wohnung mehr betreten, da sie Schmutz in die Wohnung bringen könnten. Freizeitunternehmungen fallen aus, die Zeit wird mit Putzen verbracht. Wassertropfen im Bad oder in der Küche müssen sofort entfernt werden. Spielende Kinder, die auf den Boden bröseln, werden zum Alptraum. Das Familienleben ist schwerstens beeinträchtigt.

Kontrollzwang: in schweren Fällen wird beispielsweise stundenlang kontrolliert, ob das Licht/der Herd  abgedreht ist, die Wohnung verschlossen, das Auto zugesperrt ist. Es gibt Patienten, die stehen eine Stunde früher auf, als sie müssten, damit sie ihre Kontrollen durchführen können, bevor sie sich auf den Weg in die Arbeit machen. Häufig kommen sie trotzdem zu spät, da sie nochmals zurückgehen müssen, um neuerlich zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist.

Zählzwang: Autos, Stufen, vorbeigehende Menschen, Fenster usw. werden zwanghaft gezählt.

Ordnungszwang: Bleistifte werden nach Größe sortiert und aufgereiht, im Kasten muss alles auf Kante liegen, der Tisch darf nie unaufgeräumt  sein, die Küche muss unbenutzt wirken.

Hortungszwang (Messie-Syndrom): völlig unbrauchbare Dinge, abgelaufene Lebensmittel, Stoffreste, alte Zeitungen usw. werden zwanghaft gesammelt. In schweren Fällen wird die Wohnung so angeräumt, dass der Betroffene kaum Platz hat, sich in der Wohnung aufzuhalten. Speisereste und verdorbene Lebensmittel ziehen Ungeziefer an. Ein Gestank kann sich ausbreiten und die Nachbarn so auf den Zustand der Wohnung  aufmerksam machen, was zur Entmüllung der Wohnung durch die Behörden führen kann. Von den Betroffenen kann die Entfernung der unbrauchbaren Objekte und des Mülls  traumatisch erlebt werden, obwohl sie selbst keine Erklärung dafür finden, warum sie  sich von den gesammelten unbrauchbaren Gegenständen nicht trennen können.

Häufige Zwangsgedanken:

Generell sind Zwangsgedanken mit starkem Grübeln verbunden. Es können Gedanken auftreten, das eigene Kind zu verletzten, (obwohl die Patientin weiß, dass sie das niemals tun würde, da sie ihr Kind sehr liebt), tritt der Gedanke immer wieder auf und damit die Angst, dem Impuls nicht widerstehen zu können. Oder es können sexuelle Gedanken auftreten, die vom Betroffenen als abstoßend erlebt werden, die er aber nicht stoppen kann. Es kann die Angst auftreten, etwas Obszönes herauszuschreien, oder die Angst, einen Diebstahl zu begehen, pädophil zu sein; es können Gedanken auftreten, man könnte, ohne es bemerkt zu haben, einen Unfall verursacht haben. Als Folge wird mit dem Auto immer wieder die gleiche Strecke abgefahren, wobei neuerlich die Angst entsteht, nun eben bei der Kontrollfahrt jemanden unbemerkt verletzt zu haben.

Ursachen:

Auffallend bei Zwangsstörung ist das Zusammentreffen einer vorhandenen psychischen Verletzlichkeit, konstitutionell (aus einer Veranlagung heraus) oder aufgrund von früheren belastenden Lebensereignissen, und einer akuten psychischen Überlastung.

Therapie:

Zwangsstörungen können mit einer Kombination aus medikamentöser und psychologischer Behandlung therapiert werden. Als sehr wirksame Therapiemethode hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie herausgestellt. Zunächst wird die Lebensgeschichte des Patienten beleuchtet, um Informationen über die Entstehung und Ursachen der Zwänge Aufschluss zu erhalten. In welchen  Situationen treten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen auf bzw. welche Situationen werden vermieden, um das Auftreten der Zwänge zu verhindern? Dann werden Strategien erarbeitet, um den Zwängen entgegenzuwirken. Je öfter dies gelingt, desto schwächer wird der Zwang und desto seltener tritt er auf, bis er im besten Fall völlig verschwindet.

Beispiel der Behandlung eines Patienten mit Waschzwang und Berührungsangst:

Im Vordergrund steht die Angst, durch das Berühren von Gegenständen, die als „verseucht“ betrachtet werden, eine gefährliche Erkrankung zu bekommen. In der Therapie wird der Patient diese Gegenstände (z. B. Türklinken), berühren und die dabei auftretende Anspannung im Beisein des/der TherapeutIn überwinden lernen. Danach soll er mit den „verseuchten“ Händen Körperteile berühren. Oder er berührt Lebensmittel, z. B. Brot, das er hinterher essen soll, ohne sich zuvor die Hände zu waschen. So lernt er, die „Verseuchung“ auszuhalten. Das Intervall, das zwischen dem Waschen der Hände liegt, soll allmählich immer größer werden, bis der Patient auf das Niveau eines normal hygienischen Händewaschens kommt.

Im Idealfall verschwinden Zwangssymptome völlig, häufiger ist es jedoch, dass sie abgeschwächt werden, sodass die Betroffenen  lernen, ihren Alltag besser und stressfreier zu bewältigen. Rückfälle sind keineswegs ungewöhnlich, lassen sich aber in der Regel in wenigen Sitzungen gut bewältigen.

Im letzten Schritt der Behandlung geht es um die Vermittlung von hilfreichen Verhaltensstrategien in folgenden Bereichen: Stress im Beruf/Familienleben/ Umgang mit mit sozialen Kontakten/ Gestaltung von Freizeit/Suche nach Ressourcen.

 

Bücher zur Selbsthilfe:

Fricke, S.  & Hand, I. (2007). Zwangsstörungen verstehen und bewältigen. Hilfe zur Selbsthilfe. Bonn: Psychiatrie-Verlag.

Klepsch, R. & Wilcken, S. (1998). Zwangshandlungen und Zwangsgedanken: Wie Sie den inneren Teufelskreis durchbrechen. Stuttgart: Trias.

Reinecker, H. (2006). Ratgeber Zwangsstörungen.

 


top