Kurzpsychotherapie – mit wenigen Sitzungen zum Ziel?

Bei der Behandlung von Krankheiten spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Wer sich in psychotherapeutische Behandlung begibt, benötigt dafür Zeit und meist auch Geld (nur wenige Krankenkassen übernehmen die gesamten Kosten der Sitzungen, meist ist ein Selbstbehalt zu bezahlen). Es ist zielführend, wenn sich der/die PatientIn vor Beginn einer Psychotherapie überlegt, wie viel Zeit und Geld er/sie für die Behandlung aufbringen möchte.

Wie lange dauert Psychotherapie?

Die Dauer einer Therapie hängt von der Art, Schwere und Dauer der Erkrankung ab. Als Faustregel gilt: Je genauer man weiß, worunter man leidet und was besser werden soll, was man in der Therapie erreichen will, desto eher wird man zum Ziel kommen und desto kürzer und effektvoller wird die Therapie sein.

Es folgen drei Beispiele von Problemstellungen. Zur Bearbeitung der überlegten Fragen sind zwischen 10 und 20 Sitzungen erforderlich.

Beispiel 1. :

Frau S. fühlt sich auf ihrem Arbeitsplatz gemobbt. Zudem ist sie mit den ihr übertragenen Aufgaben unglücklich und fühlt sich unterfordert. Sie findet keine Möglichkeit, gegen das Mobbing der Kollegen, dass immer stärker wird, anzugehen. Sie grübelt ständig, um einen Ausweg zu finden. Schließlich rät ihr eine Freundin, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben. Frau S. hat keine Ahnung, was in einer Psychotherapie passiert.

Frau S. könnte sich folgende Fragen (gemeinsam mit ihrer Therapeutin) für die psychotherapeutischen Sitzungen überlegen:

  • Mein Ziel ist, mich gegen meine „Peiniger“ zu wehren. Dies soll dazu führen, dass das Mobbing aufhört. Was kann ich in einer Mobbingsituation konkret tun?
  • Wenn das Mobbing in der Firma aufhörte,  würde ich dann dort weiterarbeiten wollen?
  • Ist der gewählte Beruf überhaupt der richtige für mich und bin ich mit dem Verdienst zufrieden? Möchte ich lieber etwas anderes machen und wenn ja, was?   

Beispiel 2.:

Herr L. leidet an Angststörungen. Er ist 25 Jahre alt, von Statur kräftig, steht voll im Berufsleben und hat eine Familie mit 2 Kindern zu versorgen. Seine Frau arbeitet in Teilzeit, die Versorgung der Familie lastet hauptsächlich auf seinen Schultern. Herr L. macht sich große Sorgen um seine Gesundheit. Trotz mehrerer ärztlicher Untersuchungen ohne Befund befürchtet er, an einer bislang unerkannten körperlichen Erkrankung zu leiden, die schlimmstenfalls zur Arbeitsunfähigkeit führen könnte. Wie geht es dann mit seiner Familie weiter, die ihm so wichtig ist?

Herr L. könnte sich folgende Fragen (gemeinsam mit seiner Therapeutin) für die psychotherapeutischen Sitzungen überlegen:

  • Was kann ich gegen meine Angstzustände tun?
  • Warum wird mir alles zu viel? Wann habe ich mich das letzte Mal gefreut?
  • Was kann ich tun, damit ich mich zumindest am Wochenende erholen kann und nicht am Sonntagabend dem Montag voller Angst entgegensehe?
  • Wieviel Zeit will ich für die Sitzungen beim Psychotherapeuten investieren – fehlt mir diese Zeit nicht für die Erholung?

Beispiel 3:

Herr G. hat seit einigen Wochen neben seiner Ehe eine intime Beziehung. Seitdem lebt er in einem emotionalen Rauschzustand und kann sich nicht vorstellen, diese Beziehung zu beenden. Gleichzeitig hat er seiner Frau gegenüber ein schlechtes Gewissen. Seiner Freundin hat er wiederholt versprochen, mit seiner Ehefrau über die neue Situation zu reden, hat aber bislang nicht den Mut dafür gefunden, da er fürchtet, seine Ehefrau und die zwei Kinder zu verlieren. Herr G. verstrickt sich immer mehr in Ausreden und Lügen. Er weiß nicht mehr weiter.

Fragen:

-  Wie finde ich den Mut, mit meiner Frau zu reden?

- Wie würde mein Leben (und das meiner Ex-Frau)  im Falle einer Scheidung aussehen?

- Was würde dies für die Kinder bedeuten?

- Wie geht es weiter, wenn ich die intime Beziehung neben meiner Ehe beende?


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